Fortbildung für therapeutische Berufe

 

Seit dem 01.01.2007 gilt für alle niedergelassenen Heilmittelerbringer (Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Logopäden und weitere) mit eigener (Kassen-) Zulassung nach § 125 Abs. 2 SGB V (Zugelassene/r) sowie für die fachliche Leitung der zugelassenen Einrichtung oder Zweigstelle eine Fortbildungsverpflichtung. Diese geht auf das am 01.01.2004 in Kraft getretene Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) zurück.

Ziel der Fortbildungspflicht ist es, dass die an der ambulanten Heilmittelversorgung beteiligten Therapeuten/innen sich für die Sicherstellung der Qualität der Heilmittelerbringung regelmäßig zielgerichtet fortbilden. Die gesetzliche Verpflichtung zur Fortbildung wurde in mehreren Verhandlungsrunden zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Heilmittelverbände e. V. (BHV) vereinbart.

 

FAQ

Wie funktioniert die Fortbildungspflicht?

Zur besseren Übersicht wurde ein Punktesystem eingeführt. Innerhalb eines Betrachtungszeitraumes von vier Jahren sind 60 Fortbildungspunkte zu erbringen, d.h. jährlich sind möglichst 15 FB zu erreichen. Ein FP entspricht einer Unterrichtseinheit (UE) von 45 Minuten. Der Hauptgedanke an Fortbildungen teilzunehmen, dient dem aktuellen Wissenstransfer. Deshalb wird innerhalb dieser Berufsgruppen nicht unterschieden, ob jemand eine Praxis führt oder in Teilzeit beschäftigt ist.

Gilt die Fortbildungspflicht auch für Therapeuten in Kliniken, Krankenhäusern und weiteren stationären Einrichtungen?

Nein. Die Fortbildungspflicht ist ausschließlich auf Einrichtungen beschränkt, die ambulante Leistungen erbringen und vertragliche Regelungen mit den Krankenkassen haben, die den Rahmenempfehlungen oder Rahmenverträgen mit den Krankenkassen unterliegen (Zulassung nach § 124 SGB V). Dies ist bei Kliniken, Krankenhäusern und anderen stationären Einrichtungen nicht der Fall.

Müssen sich ausschließlich Therapeuten mit eigener (Kassen-) Zulassung nach § 124 SGB V und fachliche Leiter zugelassener Einrichtungen fortbilden?

Gesetzlich vorgeschrieben ist die Fortbildung tatsächlich zunächst nur für diese Personengruppen. Therapeutisch tätige angestellte und freie Mitarbeiter/innen sind von der Fortbildungsverpflichtung demnach ausgenommen, jedoch legen die Rahmenempfehlungen nach § 125 SGB V in § 12 Abs. 3 fest, dass die angestellten und freien Mitarbeiter/innen ebenso gefordert sind, sich mindestens alle zwei Jahre extern beruflich weiterzubilden.

Was ist beim Betrachtungszeitraum zu beachten?

Der Betrachtungszeitraum umfasst vier Jahre, in denen die Fortbildungspunkte gesammelt werden. Mit den Ersatzkassen wurde vertraglich der 1.10.2008 für den Beginn des ersten Betrachtungsraumes festgelegt.

Was geschieht, wenn man auf Anforderung nicht in der Lage ist, die erforderlichen Fortbildungspunkte nachzuweisen?

Es wird eine Nachfrist von 12 Monaten gewährt. In dieser Zeit besteht die Chance die fehlenden Nachweise zu erbringen, indem man an Fobis teilnimmt damit die festgesetzten Punkte erreicht werden.

Kann die Fortbildungspflicht unterbrochen oder ausgesetzt werden?

Es gibt zwei Gegebenheiten, nämlich Mutterschutz und Arbeitsunfähigkeit, bei denen der Antrag auf Fortbildungspflicht ruhen kann. Der Betrachtungszeitraum verlängert sich in diesen Fällen um den Ruhenszeitraum. Dem Antrag sind entsprechende Nachweise beizufügen. Werden Fortbildungen innerhalb der Ruhezeit trotzdem besucht, können diese nicht angerechnet werden.

Wer legt die Fortbildungspunkte fest?

Die Veranstalter und die jeweiligen Fortbildungsanbieter setzten die Fortbildungspunkte fest. Dabei ist davon auszugehen, dass die Anforderungskriterien eingehalten und umgesetzt wurden.

Wie muss die Fortbildungspflicht dokumentiert werden?

Jeder Fortbildungsteilnehmer ist verpflichtet sich die Teilnahme an den Fortbildungen bescheinigen zu lassen. Die Dokumentation der Fortbildungsteilnahme ist gegenüber den zuständigen Landesorganisationen der Krankenkassen sowie den Organisationen der Ersatzkassen nachzuweisen. In Stichproben werden die Fortbildungsverpflichtungen überprüft.

Können Krankenkassen bei der Überprüfung Fortbildungspunkte nicht berücksichtigen?

Wenn an Fortbildungen teilgenommen wurde, die nicht den Kriterien der Fortbildungspflicht entsprechen, können Krankenkassen und Ersatzkassen die Fortbildung und damit die gesammelten Fortbildungspunkte ignorieren. Deshalb muss jeder Veranstalter/Fortbildungsanbieter und jeder Teilnehmer die Fortbildung überprüfen, an der die Teilnahme erwünscht ist.

Gibt es Fortbildungen, die nicht auf die Fortbildungspflicht angerechnet werden können?

Es gibt eine Anzahl von Fort- und Weiterbildungen im Bereich Heilmittelerbringer. Die Fülle an Fortbildungen muss allerdings hinsichtlich der Anrechnung auf das Fortbildungszertifikat vorher überprüft werden. Es gibt einige Seminare zum Thema Optimierung von Praxisabläufen, Praxisorganisation, Selbststudium, E-Learning/IT-Fortbildungen, Informationstechniken, EDV, Referenten-/Dozententätigkeit, praxisinterne Fortbildungen, Fortbildungen zu Methoden und weitere, die in den Maßstäben nicht entsprechen und damit nicht angerechnet werden können.

Ist es möglich überschüssige Fortbildungspunkte auf den nächsten Betrachtungszeitraum anrechnen zu lassen?

Leider ist das nicht möglich. Werden in einem Betrachtungszeitraum mehr als die vorgeschriebene Anzahl an Fortbildungspunkten erwirtschaftet, so kann ein Übertrag in den nächsten Betrachtungszeitraum nicht erfolgen.

Wie muss die Bescheinigung der Fortbildungsmaßnahme aussehen bzw. welche wichtigen Bestandteile müssen enthalten sein, damit sie gültig ist?

Der Veranstalter der jeweiligen Fortbildung ist dazu angehalten auf der Bescheinigung wichtige Punkten wie Anzahl der Unterrichtseinheiten und die Anzahl der Fortbildungspunkte deutlich auszuschreiben und erkenntlich zu machen. Die Rechnung muss ergeben, dass jede Unterrichtseinheit einem Fortbildungspunkt entspricht.